Auf einstimmigen Wunsch und weil ich gerade etwas geschicktes zu Hand habe, lasse ich mich kurz über Schwaben aus. Ich habe ja meinem Blog einen eindeutig tendenziösen Namen gegeben, der aus dieser Sprachregion stammt. Eigentlich spreche ich aktiv gar kein Schwäbisch. Aufgewachsen bin ich eigentlich schon im schwäbischen Umfeld, da kommen dann zum Beispiel Klassiker vor wie “der! Butter”, “Grombiera” und “Gsäls” im täglichen Sprachgebrauch der Familie vor. Schrieb ich in der Grundschule noch in einem Aufsatz “Ich lupfte einen Haufen Kruscht zur Seite” (was zur Entsetzung beim Lehrer und Erheiterung bei aaaaallen Verwandet beitrug), trieb man es mir auf der weiterführenden Schule dann aus. Das Verstehen bereitet mir auch in der tiefsten Provinz keinerlei Schwierigkeiten, das Sprechen nur wenn es mehr als drei Sätze am Stück sein sollen, da komm ich doch manchmal ins Stocken, weil die Verwurzlung ins Unterbewusstsein irgendwie fehlt und sich Worte aus dem “Pseusdoschwäbisch” einmischen, die man ja so oft hört, wenn man sich mal wieder über den Dialekt lustig macht. Aber nichtdesdotrotz, es werden dennoch Endungen geschliffen und verkürzt (trotz angestrengtem Nachdenken, will mir momantan kein Beispiel einfallen, jemand Vorschläge?), das s in den ungünstigsten Situationen zu einem verräterischen sch (besonders gern in Referaten und Präsentationen, ich weiß absout nicht warum, dafür geht dann die körpereigene Alarmanlage für alle sichtbar an und färbt meinen Kopf ich ein herzhaftes Rot), Vergleiche werden mit wie ausgestaltet (”mehr wie du”) und manchmal rutscht mir in der Diaspora das ein oder andere “fremdländische” Wort unterbewusst heraus, welches dann für Stirnrunzeln sorgt.
Ich gebe zu, Schwäbisch klingt manchmal ordinär, macht den Sprecher unintelligent, aufdringlich und verleitet mich auch zum herzhaften Loslachen, wenn sich im Hörsal ein Original mit dem breitesten Schwäbisch zu Wort meldet und vor 600 Menschen in das Mikrofon “schwätzt”. Eine ganz leicht eingafärbte Sprechweise, vielleicht auch nur in der charakteristischen Betonung einiger Worte oder Silben finde ich aber ganz im Gegensatz dazu “saumäßig” sympatisch. Zur Beliebtheit von Dialekten, hat die Stiftung Allensbach eine Befragung durchgeführt, eigentlich hatte ich in Erinnerung, dass der Dialekt deutlich unbeliebter sei, aber ich will mich mal nicht beschweren
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Aber “Schwaben” ist ja viel mehr, als nur “die” Sprache, die ja stark variiert (wobei das Rätseln darüber, woher ein Dozent denn nun genau stamme, schon viele langweilige Vorlesungen aufgewertet hat, seltsamerweise spingen hier so viele Schwaben rum, wie keine andere “Ethnie” hat man den Eindruck). Es ist vielmehr ja die Einstellungs und das Lebensgefühl, das ich mag und auch verinnerlicht habe. Das erste wäre sicherlich das obligatoische “Schaffa”, ich kann es nicht ausstehen, nichts zu tun zu haben, ich muss immer etwas “grattla”, wobei keine Regel ohne Ausnahme…Sparen kommt immer gut, und immer, wenn ich mich beim Preisabwägen erwische, muss ich innerlich grinsen, nehm dann aber selbstverständlich das Günstigste, was im Angebot ist
. Die “Bruddelei” und Begleiterscheinungen wie die Kehrwoche und das klassische konservative Eigenheim gehen mir natürlich ordentlich auf die Nerven. Eine wirklich großartige Zusammenfassung schwäbischer Eigenheiten findet sich auf der verlinkten Seite, dazu ein Lexikon, falls der ein oder andere über nicht verstandende Worte stolpern sollte. Das was ich bisher erleben durfte, wird in den Texten ziemlich gut abgebildet, wenn natürlich täglich mit abnehmender Tendenz, zum Glück, muss ich teilweise sagen…
Wir geben schon eine ganz hervorragende Zielscheibe ab für Lustigkeiten aller Art und eine der besten gibt es im Anschluss. Ich muss auch nach dem zehnten Mal noch richtig lachen, denn solche Menschen kommen wirklich vor, ich finde diese Werbung einfach genial, und fast alle Vorurteile werden bedient
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Aufgrund technischer Unzulänglichkeit des Autors gibt es das Video hier!
Ich werde diesen Beitrag dazu missbrauchen, einen Trackback einzusetzen versuchen, auch wenn sich dieser Beitrag auf ein Kommentar, anstatt auf einen anderen Post bezieht, ich hoffe das ist im Sinne von Trackbacks und im Sinne desjenigen, dessen Seiten ich dafür belästige.
Naja das mit den Trackbacks will nicht so, wie ich mir das vorstelle. Ab heute führe ich das Zöllibat ein und verdamme Trackbacks! [<-unglaublich platte Persiflage, nicht unbedingt ernst nehmen]
…meinen herzlichen Dank für den Link für die ‘Gebrauchsanweisung’ der schwäbischen Menschen.
Ich werde über den Erfolg im Feldversuch berichten !
Toller, mit feinem Humor geschriebener Beitrag. Es macht Freude ihn zu lesen, auch wenn man kein Schwabe ist.
Rettet den Dialekt, ist auch unsere Devise und deshalb haben wir http://www.SoSprichtDeutschland.de erfunden. Vielleicht habt ihr Lust mitzumachen?
PS: Wie sagt ihr zu Greffelspetzer und Owerloiwe?
Hi Christian,
Lust schon, nur befürchte ich, dass mein Schwäbisch seine Regionalität verloren hat und sich nicht mehr nur auf meine Heimatgemeinde beschränken lässt.
Griffelschpitzer gibts bei uns, oder besser: Furzklemmer [Fuuazklemma]; das andere Wort kenn ich nicht und wüsste nicht, was es bedeuten soll.