Herr schmeiß Hirn ra!

Maxblog: Nicht immer einfach, aber einfach immer.

Drengamaoina? 30 April 2008

Gespeichert unter: Alltägliches — Max @ 11:01
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 Wähäääääääää! Auf dem Weg zum Zug habe ich mal wieder einen Glücksgriff bezüglich meiner Beifahrer getan. Voll bepackt mit Laptop- und Sporttasche wollte ich in die U-Bahn einsteigen, was mit zwei vollen Händen eher schwierig ist. Ein ebenfalls einsteigender Herr, Anfang 40, öffnete meine Tür und deutete eine Verbeugung an. Ich habe mich natürlich bedankt und bin ihm dann dummerweise in einen vierer Sitzplatz gefolgt, da die anderen besetzt waren. Da sah ich dann zum ersten Mal, dass er ja ein Bier in der Hand hatte. Das will ich um 14.00Uhr am Nachmittag nicht verurteilen, ich hätte schließlich gerne heute in der Sonne anstatt einer sterbenslangweiligen Vormittagsvorlesung ein leckeres Hefeweizen getrunken, musste mich allerdings dann der Mehrheit beugen, die für Eis votierte.

Er saß schräg mir gegenüber, da sah ich lieber aus dem Fenster die wenig abwechslungsreiche, wenn auch mir liebere Tunnelfärbung der U-Bahn an. Kurz nach dem Hinsetzen verspürte ich, dass jeand mit mir füßelte, also offensichtlich Kontakt zu mir aufnehmen wollte. Ich dachte etwas in die Richtung „Spielen wir jetzt amerikanische Senatoren auf Sexsuche anstatt auf dem Klo in der U-Bahn“??? Also ignorierte ich die Kontaktversuche, was ich aber unterbrechen musste, als ein zweites Mal eine Annäherung meinen Fuß belästigte.

„Ist das dein Laptopkoffer?“ -„Ja“- „Ist da ein Laptop drin?“- Ja“ -Was kannen der?“ – „Weiß ich nicht, ich kenn mich da nicht so aus“…

Im Verlauf durfte ich mir von Mister Bierfahne abschätzig begutachten lassen, dass ich zwar einen Laptop, aber nicht das Hardwarewissen über ihn besäße. Die Gesprächsrundreise führte uns dann über seine Arbeit, über meine Arbeit, über das, was ein Kumpel von ihm geklaut, was er selbst geklaut („wenn ich sowas wie das [er meinte meinen Laptop] hier finden würde, würde ich es auch abgreifen“-“Na deshalb lass ich den ja auch hier nicht stehen!“), Softwarepackete, den Vorteil von zwei DVD-Laufwerken in einem Laptop anstatt einer Reparatur („für 600 € sollte man wenigstens 2 DVD-Laufwerke erwarten dürfen, hab ich dem Verkäufer gesagt“, das sei, falls mal eines kaputt sein sollte sehr geschickt, da man dann ein zweites habe. Mein Einwand, eine Reparatur in Erwägung zu ziehen, wieß er zurück, dass vielleicht nicht jeder das Geld dafür habe. (Aber für ein zweites DVD-Laufwerk??? Ich habe mich an eine alte Volksweisheit gehalten: Diskutiere nie mit Besoffenen!) . Ich durfte ihn beglückwünschen dazu, dass er die Kneipe soeben verlassen habe, da es sonst ordentlich Ärger gegeben hätte, und ich durfte seinen Heldengeschichten beiwohnen, wie es ihn rotzebesoffen irgendwo hingehauen hatte, ohne sich etwas zu tun. Nach unendlichen 20 Minuten, die mehr einem Monologseinerseits glichen, unterbrochen von meinen Hmmms und Hämmmsss, kamen wir an unsererem gemeinsamen Ziel an: Der Hauptbahnhof! Wir reichten uns die Hände wünschten uns alles Gute (er trank auf mein Studium, jetzt kann es ja nur noch klappen!) und gingen unserer Wege, wobei ich sicher bin, ich ging aufgrund meiner Erleichterung und meines Fluchtverhaltens schneller meiner Wege.

Ich hatte im Rettungsdienst bereits öfter mit Betrunkenen/Alkoholikern zu tun, das bleibt da ja leider nicht aus. Man kommt mit den meisten ja auch gut aus. Die sind nett und freundlich, und wenn man sie wie normale Menschen ohne Abschätzigkeit behandelt durchaus auch sehr kooperativ. Vor kurzem entwickelte ich zu einem regelrechte Sympathie. Man erkannte trotz langjährigen Alkoholmissbrauch, dass er einmal ein sehr attraktiver Mann gewesen war, und nach der Unterhaltung im Rettungswagen bedankte er sich dafür, dass ich ihn wie einen normalen Menschen behandelt hätte. Mich hat das etwas befremdet, natürlich ist mir klar, dass bei „Berufsrettern“ sich eine gewisse Abgestumpftheit bezüglich immer wieder kehrender Einsatzmuster (die dann unter Umständen auch noch randalieren und/oder erbrechen) besteht, aber manchmal denke ich doch, dass manchen ein Stück Menschlichkeit verloren gegangen ist, und an diese Stelle die Genervtheit gedrungen ist.

Hoffentlich habe ich nichts an mir, dass diese Menschen anzieht, auf die Dauer ist mir doch ein normales Gespräch lieber, zu Zeitpunkten, zu Orten, zu Themen und mit Menschen, die ich mir selbst ausgesucht habe und die mich auch interessieren.

Und jetzt im Zug sitzt mir ebenfalls ein Biertrinker gegenüber. Er macht zwar einen netten Eindruck, hoffentlich fängt er nicht auch das Füßeln an…

Nachtrag: es ist nichts passiert, er hat sogar sein Flaschenpfand ordnungsgemäß in seine Tasche gesteckt.

 

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