Also wenn ich im Bahnhofsvorraum eine gefüllte Flasche Bier zerschellen lasse und die hinzugerufene Bahnmitarbeiterin nach dem Rechten sieht und nach einiger Zeit des Diskutierens mich bittet zu gehen, dann gehe ich. Auch der Hinweis, dass die Polizei wirklich Wichtigeres zu tun hat als nach einem nicht folgsamen Betrunkenen zu sehen, finde ich blödsinnig und frech.
Wenn mir so etwas passiert, dann kümmere ich mich darum, dass Personal kommt und mir Reinigungsmaterial für die Beseitigung zur Verfügung stellt, auch wenn ich hoffen, dass sie dies ablehnen und es selbst machen würden. Und vor allem würde ich mich dafür entschuldigen, einen Fehler gemacht zu haben, es wäre mir unangenehm und ich würde nicht dämliche Antworten geben, wenn die Dame mich bittet zu gehen. Manchen Menschen fehlt in der heutigen Zeit einfach der Bezug zu Eigentum. Natürlich ist die Bahn ein großer Konzern (”und dem tuts ja schließlich nicht weh und merken tut ers auch nicht”) und gewissermaßen öffentliches Gut, aber es ist immer noch Eigentum eines Anderen und andere Menschen werden durch solches Verhaltengen gestört/belästigt/in ihrer Freiheit eingeschränkt.
Vielleicht sind sie antiautoritär erzogen worden (meine Kinder, obwohl das zugegebener Maßen schwer wird, kriegen unter Umtänden auch mal eine physische Zurechtweisung, nicht zur körperlichen Bestrafung, sondern als Wegmarke, dass sie irgendwo völlig falsch liegen und frech sind; auch nicht, dass ich Gewalt als Erziehungsmaxime gut heißen würde, ganz im Gegenteil, nur diese auszuschließen, finde ich ziemlich dämlich) oder das Aufwachsen in der Großstadt hat ihnen nicht gezeigt, wie Leistungserstellung, Leistungsverteilung und Leistungsbenutzung in unserer Gesellschaft funktioniert. Dass halt immer noch der Bauer im Schweiße seines Angesichts etwas erntet, was man dann unter ethischen Gesichtspunkten eher nicht dazu benutzt, eine Essensschlacht zu veranstalten oder einfach leichtfertig wegzuschmeißen, wie es doch recht häufig vorkommt. Dass nicht eine Null-Bock-Einstellung die Bierflasche, die ich grade habe fallen lassen, gefüllt hat, sondern Menschen, die sich dafür angestrengt haben.
Da ist es nur gut, dass solche Menschen kaum eine Lobby haben und sogar zu faul sind, wählen zu gehen, so dass die Anarchistische Pogopartei nicht über die 5% Hürde kommt, obwohl sie sicherlich das Wälerpotential hätte…