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Maxblog: Nicht immer einfach, aber einfach immer.

Mein Opa hat viel mehr gelitten als deiner! 1 Juni 2008

In diser Woche wurde in Berlin das Mahnmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen eingeweiht. Bevor ich mich damit auseinandersetze: Ich finde es furchtbar hässlich. Ein grauer Betonklotz in der selben Optik wie das Denkmal für die verfolgten Juden. Unendlich unkreativ. Undenlich unispirierend und für mich nicht würdig und fähig allein von der Optik her, zum Gedenken anzuregen. Das Video, das durch den Schlitz einsehbar ist, und zwei sich küssende Männer, zeigt finde ich hingegen gut. Das hat etwas unverbrauchtes, originelles, handhaftes, mahnendes.

Aber warum hat jede im Nationalsozialismus verfolgte Gruppe ihr eigenes Denkmal? Wäre es nicht angebrachter, ein zentrales Denmal zu errichten und dort dann von mir aus den unterschiedlichen Gruppen nochmal einzeln zu gedenken? Denn was allen gemeinsam ist, ist die Verfolgung aufgrund ihrer genetischen Eigenheiten (kleine Ausnahme sind die, die wegen ihrer Betätigung verfolgt wurden, aber diese haben häufig bereits deutlich vor den “anderen” ihr Gedeken erhalten haben, so z.B. Rosa Luxemburg, Dietrich Bonhöfer, Graf Staufenberg; wobei ich hier niemanden das Andenken neiden/schmälern will). Wieso bekriegen sich die Nachfahren der Leidtragenden noch um das Gedenken? Kann man denn beim Leid differenzieren? Ist das Leid von Millionen zehn mal mehr wert wie das Leid von Hunderttausenden? Warum schaut man nur darauf, einen möglichst guten Platz und möglichst viel Raum zu ergattern, anstatt konstruktiv etwas zu errichten. Für mich hat das Mahnmal für die ermordeten Juden fast schon Erlebnischarakter. Als ich dort durchlief, hatte ich zwar den von den Planern gewünschten, isolierten Effekt, aber unter Gedenken stelle ich mir etwas anderes vor als ein möglichst großes, teures Grundstück direkt an der Straße, für das extra Hinweistafeln aufgestellt werden, dass man sich vielleicht nicht auf die Stelen setzt, da dies ein Denkmal sei. Wenn ein Denkmal nicht mal die Authorität hat, die ein Denkmal ausstrahlen sollte, hat es meine Ansicht nach versagt. Für mich ist ein Denkmal etwas ruhiges, abgeschiedenes, einem Friedhof gleich, vielleicht von Natur umgeben, aber auf jeden Fall intim. Also ganz gegensätzlich zu der Gedenkstätte für die ermordeten Juden. Und anstatt progressiv und gemeinsam für eine andere, gerechtere, nicht diskriminierende Welt einzutreten, errichtet man für Juden, Homosexuelle und Roma jeweils ein eigenes Denkmal. So unterminieren die Interessensgruppen meiner Ansicht nach die Integrität des Leids der anderen Gruppen und schaden sich dadurch selbst.

Und soll ein Denkmal nicht auch die Funktion haben, dass das erinnerte Unrecht nicht wieder vorkommen soll? Diese Funktion, die ich unter Umständen sogar wichtiger finde als das eigentliche Gedenken, da das vergangene Unrecht nicht wieder gut zu machen ist, aber zukünftges Unrecht noch zu verhindern ist, wird durch die Zersplitterung in Interessensgruppen völlig der Wind aus den Segeln genommen, da jeder für seine eigene Sache kämpft: Die Juden für Ausglechszahlungen und Sonderbehandlung seitens Deutschlands, Homosexuelle für Gleichberechtigung und Roma für Unterstützung gegen das Unrecht, das ihnen in vielen osteuropäischen Ländern widerfährt. Anstatt man sich einmal überlegt, dass wir alle Menschen sind und unser Zusammenleben ohne Hass, Missgunst, Benachteiligung, Neid und Vorurteilen regeln sollten sondern mit Nächstenliebe, und wem dieser Begriff nicht passt, möglichst paretoeffizient zu lösen, machen wir einen lustigen Kleinkrieg und der Gegner (die nicht nachdenkende, nicht wandlungsbereite Gesellschaft) lacht sich ins Fäustchen, da er die einzelnen Attacken der einzelnen Gruppen mit geringer Durchschlagskraft abwehren kann. Und alles bleibt beim Alten. Aber wenigstens haben die Homosexuellen jetzt ein eigenes Denkmal. Ich habe keines Vermisst. Ich vermisse gesellschaftliche Anerkennung. Und die wird nicht gefördert dadurch, dass man ein paar Millionen für einen Betonklotz ausgibt, der von einem Kultursaatssekretär eingeweht und errichtet wird, der gegen ein solches Denkmal gestimmt hat und der gegen die Gleichstellung von Homosexuellen ist (das unterstelle ich ihm mal aufgrund dieses Videos).

 

3 Responses to “Mein Opa hat viel mehr gelitten als deiner!”

  1. Antiteilchen Says:

    Was das gemeinsame Mahnmal aller betroffenen Gruppen angeht, da möchtest du bitte Frau Lea Rosh fragen, die von Anfang an kein gemeinsames Mahnmal haben wollte und vehement auch dagegen gekämpft hat. Da blieb ja nichts anderes übrig das jeder sich sein eigenes Gedenken baut. Über die Form des Mahnmals für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen kann man sicherlich streiten, das eines kommen musste, war für mich klar und ich habe es immer unterstützt. Mir wäre ein gemeinsames auch lieber gewesen!

    Nur zur Info: Das Mahnmal hat übrigens 600.000 Euro gekostet, nicht Millionen Euro.

  2. hirnra Says:

    Ich finde es auch gut, dass es ein solches Mahnmal gibt, auch wenn ich oben schreib, dass ich keines vermissen würde, und dass ich (theoretisch!) ein gemeinsames Mahnmal begrüßen würde. Was in der Praxis passiert, ist ja oft etwas anderes. Das mit dem Preis tut mir Leid, ich hatte im Hinterkopf, so eine Zahl gelesen zu haben. Mir ist die Höhe der Summe relativ egal, ich wollte damit etwas anderes ausdrücken und nicht, dass mir diese Summe zu hoch wäre.

  3. nogger Says:

    Ich hätte die Idee mit dem gemeinsamen Dankmal für alle auch besser gefunden – aber leider ist das ja nicht gewollt. Jede Gruppe will halt, dass man ihr gesondert gedenkt. Wenn ich mit meiner Familie im Herbst in dem Bereich bin, werde ich bestimmt nicht jede einzelne Gedenkstätte anfahren und besichtigen – dafür ist mir die Woche Berlin/Potsdam zu schade.
    Zumal: ich könnte ja was verpassen, wenn ich das noch nicht exisitierende Denkmal für die Sinti und Roma nicht sehe, oder für die Behinderten oder oder oder…


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